Was bedeutet funktionelle Atmung?
Das Zwerchfell ist dein wichtigster Atemmuskel. Es liegt wie eine Kuppel unter deiner Lunge und ist mit der Lendenwirbelsäule verbunden. Es hat zwei Aufgaben zugleich.
Beim Einatmen spannt es sich an, wobei sich seine gewölbte Kuppel abflacht und nach unten senkt. Im Brustraum entsteht dadurch ein Sog, durch den die Luft bis in die unteren Lungenabschnitte strömt — genau dort, wo die Lunge am besten durchblutet wird und der meiste Gasaustausch stattfindet.
Gleichzeitig drückt das Zwerchfell von oben auf deinen Bauchraum, und die unteren Rippen weiten sich zur Seite. Zusammen mit den tiefen Bauchmuskeln und dem Beckenboden baut sich im Bauchraum ein Druck auf, der deine untere Wirbelsäule von innen stabilisiert und damit deinem unteren Rücken Halt gibt — ähnlich einer Getränkedose: leer lässt sie sich mit zwei Fingern eindrücken, unter Druck ist sie extrem stabil.
Bei dieser tiefen, ruhigen Atmung strömt die Luft durch die Nase. Sie ist viel enger als der offene Mund und bremst den Atemstrom stärker, sodass weniger hindurchströmt.
Dysfunktionale Atmung — was passiert, wenn wir gestresst sind?
Unter (Dauer-)Stress wandert die Haupt-Atembewegung in den oberen Brustkorb — sie wird kürzer und schneller, oft begleitet von Mundatmung. Der Mund ist der schnelle Weg für große Luftmengen, gedacht für kurzfristige, hohe Belastungen — den Notfall, nicht den Alltag. Das führt zu einer sogenannten „flachen Atmung“: Dein Zwerchfell senkt sich nur noch wenig, und seine Arbeit wird von Hilfsmuskeln in Hals, Nacken und Schultern kompensiert.
Sie heben nun bei jedem Atemzug den Brustkorb mit an — eine Arbeit, für die sie auf Dauer nicht vorgesehen sind. Sind wir permanent im Stress, ermüden diese Hilfsmuskeln bei rund 20.000 Atemzügen am Tag irgendwann. Das spürst du als Verspannung in Nacken und Schultern — und im unteren Rücken, dem die natürliche Stütze von innen fehlt.
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